Friedensweg der Religionen Franziskuskreis 2019 in Attendorn am Alter Markt

Friedensweg 2019: Besondere Begegnung im Dialog

Bruder Niklaus Kuster zu Gast in Attendorn

Eingebunden in die Glaubenswoche „Kreuz und Quer“ der Pfarrei St. Johannes Baptist fand im Herbst 2019 der alljährliche Friedensweg der Religionen mit dem Titel „Kreuz und Quer – Frieden durch Dialog“ auf Initiative des Franziskuskreises in Attendorn statt. Heike Rawe erinnert sich an eine besondere Begegnung im Dialog – mit unserem Gast Bruder Niklaus Kuster.

In diesem Jahr jährte sich zum 800. Mal die Begegnung zwischen Franz von Assisi (Franziskus) und dem ägyptischen Sultan al-Malik al Kamil.
In der Zeit der kriegerischen Auseinandersetzung suchte Franziskus 1219 das friedliche Gespräch mit dem islamischen Sultan. Der Austausch über ihre religiösen Ansichten steht für das, was wir heute interreligiöse Begegnung nennen. Ein Beginn, der erkennen lässt, dass es Strahlen des Lichts auch in anderen Religionen gibt. Franziskus hat als erster Ordensgründer Begegnung und Dialog mit Andersgläubigen zu seinem Anliegen gemacht.

Niklaus Kuster bei seinem Impulsvortrag im Forum der St.-Ursula-Schulen in Attendorn. Foto: Carl Christian Griese

Bruder Niklaus Kuster

Aus diesem Anlass war es für uns eine große Freude und Bereicherung, Bruder Niklaus Kuster für drei Tage in unserem Kreis begrüßen zu können.
Bruder Niklaus Kuster ist Kapuziner der Schweizer Ordensprovinz. Er studierte Geschichte und Theologie, ist promovierter Experte für franziskanische Spiritualität, Dozent und Buchautor.

Bei der Begegnung mit Schüler:innen an unterschiedlichen Schulen am Vormittag und einer Versammlung im Forum des St.-Ursula-Gymnasiums Attendorn am Abend, die nach dem Friedensgang durch die Stadt dort mündete, gab Bruder Niklaus einen Einblick in diese historische Begegnung.

Vortrag für Schüler:innen des St.-Ursula-Gymnasiums

Das Treffen am Vormittag war für mich besonders berührend.
Mit einem eindrucksvollen, reich illustrierten Vortrag und anschließendem Austausch schaffte Bruder Niklaus in seiner zugewandten, sensiblen Art eine sehr dichte, vertrauensvolle Atmosphäre.
Seine Haltung spiegelte die seiner jungen Zuhörer:innen, seine Worte wurden zum Erlebnis, auch für mich. Ich erlebte eine sehr aufmerksame und zugewandte Zuhörer:innenschaft.

Das konnte ich auch am Abend im Forum wieder spüren. Der Abend, eröffnet durch mehrere Statements Jugendlicher, wurde von einem musikalischen Rahmen geprägt.                                                        

Bruder Niklaus sprach von der folgenreichen Begegnung und ihrer Bedeutung  heute.
Hier ein paar Aussagen aus seinem Vortrag:

Begegnung und Dialog gelingen im ganzheitlichen Anteilnehmen und gegenseitigem Voneinander-Lernen.

Franziskus lernte viel von den Muslimen. Zwei Beispiele:
Er bewunderte den Ruf zum Alltagsgebet der Muslime. Dem Beispiel folgend sollte in den christlichen Kirchen akustisch zum Beten eingeladen werden. So entstand das bis heute gängige Angelus-Läuten.

Die Muslime nennen voll Ehrfurcht die 99 Namen Allahs. Davon inspiriert, schrieb Franziskus 1224 auf La Verna die Litanei zum Lobpreis Gottes.

Das Forum der Attendorner St.-Ursula-Schulen ist gut gefüllt. Nach Impulsvorträgen von Niklaus Kuster und jungen Erwachsenen verschiedener Religionen ging’s im gemütlichen Teil beim Imbiss weiter. Foto: Carl Christian Griese

Weiter machte Bruder Niklaus darauf aufmerksam, dass jede Religion gewinnt, wenn sie vom Erfahrungsschatz anderer lebt: dass Begegnungen gelingen, wo Menschen sich nicht auf das Trennende fixieren, sondern das Verbindende entdecken und miteinander vertrauter werden. Bruder Niklaus verwies darauf, dass zehn franziskanische Optionen zur Begegnung der Religionen dazu ermutigen, die multikulturelle und religiöse Welt als Chance zu nutzen.
Er erinnerte an das Friedensgebet Papst Benedikts in Assisi 2011, in dem dieser sagte, dass alle Kirchen und Religionen gemeinsam zu Wahrheit und Frieden pilgern würden und keiner die Wahrheit besitze.

Beeindruckende Beschreibung vom Heiligenkreuz

Mich hat in seinem Vortrag die Beschreibung des Denkmals der Religionen im steierischen Heiligenkreuz sehr beeindruckt. Das Friedenszeichen zeigt in einem sanften Bogen schlanke Stelen, welche die Symbole der Weltreligionen tragen. Eine Stele in der Mitte aus leuchtend hellem Stein ist ohne Symbol. Sie trägt am Fuß die Inschrift: „Suchende Menschen, Menschen mit und ohne Religion, die Pilgernde zu Wahrheit und Frieden sind.“

Der franziskanische Weg des Dialogs ist einer von vielen. Er sucht ganzheitlich dazu beizutragen, dass sich die Hoffnung von Hans Küngs Weltethos erfüllt: Friede unter den Nationen durch Frieden der Religionen.

In seinem Buch „Spiegel des Lichts“ beschreibt Bruder Niklaus, was Franziskus bis heute zum Propheten des Miteinanders von Kulturen und Religionen macht.

Die Begegnung mit Bruder Niklaus war für mich eine besondere, erfüllt vom Geist, pfingstlich.
Ich begegnete einem Menschen mit Tiefe und Weite auf Augenhöhe, der keine Fremdheit kennt und der Mitwelt ökologisch achtsam begegnet, durch und durch franziskanisch spirituell.

„Es war ein Geschenk.“

Er war Gast in unserem Haus, so hatten wir bei den Mahlzeiten viel Gelegenheit zum Austausch. Ich fand endlich Antworten auf einige Fragen, die mich schon sehr lange bewegen. Dadurch konnte ich in meinem franziskanischen Denken und Handeln zu mehr Klarheit und Freiheit gelangen.

Das betrifft für mich wesentlich das franziskanische Armutsverständnis, was ich jetzt besser begreifen und leben kann. Bruder Niklaus sagte:
„Franziskanische Armut lehrt nicht, nichts zu haben, sondern möglichst viel zu teilen.“

Das war ein Geschenk, für das ich sehr dankbar bin. Für mich bleibt es eine besondere Begegnung im Dialog.

Heike Rawe, 29. September 2019