Vor Beginn der Einheit mit Andrea Schwarz beim spirituellen Wochenende des Franziskuskreis im Bergkloster Bestwig

„Chaos und Ordnung“ – Spirituelles Wochenende mit Andrea Schwarz

Franziskuskreis erstmals zu Gast im Bergkloster in Bestwig

Zum ersten Mal war der Franziskuskreis im Bergkloster in Bestwig zu Gast und zum ersten Mal konnte er zum spirituellen Wochenende die bekannte Autorin Andrea Schwarz als Referentin gewinnen. Thema des war „Chaos und Ordnung“. Wer konnte da schon erahnen, dass die alte Ordnung schon kurze Zeit später dem Chaos die Oberhand lassen musste?

Chaos und Ordnung – unter diesem Titel stand das Wochenende mit der Autorin Andrea Schwarz Anfang März. Chaos sei der Übergang von einer bisherigen in eine neue Ordnung, so lernten wir. Also der Zustand zwischen dem Nicht-Mehr und dem Noch-Nicht. Das Leben ist immer in der Veränderung, und wenn eine alte Ordnung zerbricht, dauert es, bis die neue Ordnung Form angenommen hat. Den Übergangszustand, das „Chaos“, erleben wir oft als Krise, aber auch als Schlüssel zur Kreativität, zur Neuausrichtung, zum Abgleich zwischen dem „Wo komme ich her“ und dem „Wo will ich hin“.

Was wir Anfang März zwar schon ahnten, aber noch nicht in seiner ganzen Tragweite erfassen konnten, war, dass dieses Wochenende das letzte in einer alten Ordnung war. Das letzte Wochenende, bevor es aufgrund von Corona zum „Lockdown“, zu Kontaktsperren und zu Besuchsverboten kam. „Nichts wird mehr so sein wie es vorher war“ – diesen Ausspruch konnte man in den letzten Wochen oft hören. Dass wir kurz nach unserem franziskanischen Wochenende im Bergkloster Bestwig eine so intensive, praktische Lektion zu den Inhalten unseres Wochenendes erhalten würden, hätten wir nicht gedacht. Wie wird die neue Ordnung aussehen?

Andrea Schwarz freute sich in der Vorstellungsrunde über diejenigen, die sagten „Ich lese Ihre Bücher seit 30 Jahren“ – und mindestens ebenso sehr über diejenigen, die sagten „Ich kenne weder Sie noch Ihre Bücher und lasse mich an diesem Wochenende einfach mal überraschen“.

Gegensätze treffen sich im „Und“

Wir sprachen viel. Über Gott und die Welt, Chaos und Ordnung, Licht und Schatten, Nähe und Distanz. Dass alles immer seinen Gegenpart hat und braucht.

Aus dem Hintergrund rückte dabei fast unbemerkt ein kleines Wort in den Vordergrund, das man schnell übersieht: das UND, dieses kleine verbindende Wörtchen, das uns klar macht, dass nie nur das Eine oder nur das Andere ist, sondern dass es immer (mindestens) zwei Seiten gibt. Dieses kleine UND nimmt den Dirigentenstab in die Hand und trägt dafür Sorge, dass alle Seiten gehört werden und keiner zu kurz kommt. Ein wenig wie beim Ying und Yang, bei dem die eine Seite auch immer einen Tupfen der anderen Seite beinhaltet.

Neue Methode von Andrea Schwarz: Austausch im Bibliolog

Wir sprachen noch mehr: und zwar in Form des Bibliologs. Eine neue Methode, mit der man sich als Gruppe Zugang zu biblischen Texten erarbeiten kann. Andrea Schwarz ist Trainerin für diese Herangehensweise, bei der ein Bibeltext abschnittsweise vorgelesen wird.

Die Teilnehmenden schlüpfen in die Rollen der beteiligten Personen (oder Dinge), versetzen sich in deren Perspektive und bringen diese ins Wort – ganz frei formuliert. Es ergeben sich erstaunliche, bereichernde Erkenntnisse und neue Einblick in altbekannte Bibeltexte.

Kreis oder nicht Kreis? Das ist hier die Frage.

Ganz am Rande warf Andrea Schwarz die Frage auf, ob der Name „Franziskuskreis Attendorn“ eigentlich noch zu uns passen würde. Sie habe eigentlich ein anderes Bild von der Gruppe erhalten … (Nur Attendorn oder nicht doch deutlich darüber hinaus? Hat „Kreis“ nicht die Patina der 80er Jahre?). Eine überraschende Frage, die wie ein Stein ins vermeintlich ruhige Wasser fiel und Kreise zog, deren Widerhall wir vermutlich lebhaft in der Gruppe weiter diskutieren würden, wenn Corona unseren Treffen nicht eine Pause verordnet hätte. So war sie bisher nur Gegenstand der diesjährigen (sehr lesenswerten) Aprilscherz-Mail des Franziskuskreises.

Ach, und dann war da noch die Frage nach der Dreifaltigkeit – auch mal eben „am Rande“ angestoßen. Wir waren eingeladen, in Kleingruppen unsere Erkenntnisse ganz kompakt in jeweils einem Satz zusammenzufassen. Mit den Ergebnissen möchte ich diese Nachlese zu einem Wochenende, das in mir noch lange nachklingen wird, beschließen:

Dreifaltigkeit ist der Versuch, die verschiedenen Aspekte Gottes erklärbar zu machen.
Dreifaltigkeit – eine Kraft, die bewegt, zusammenhält und mit mir geht.
Dreifaltigkeit ist Beziehung – zwischen Körper, Geist und Seele.
Dreifaltigkeit bringt Bewegung in ein Gottesbild, das zu erstarren droht.

Ein Letztes: Ich gehöre zu denen, die die Bücher von Andrea Schwarz nicht schon seit 30 Jahren lesen, wenngleich mir immer wieder gute Texte von ihr begegnet sind. Es könnte aber sein, dass mich die Bücher, die ich mir zwischenzeitlich gekauft habe, in den nächsten 30 Jahren begleiten werden. Sehr zu empfehlende Lektüre!

Angela Selter