Der Weißkopfseeadler

Weitergezwitschert …tierisch franziskanisch (1)

Bestimmt kennst du den Weißkopfseeadler. Er ist das amerikanische Wappentier. Wenn ich an den Weißkopfadler denke, denke ich an Stärke, Mut, Freiheit. Es ist gar nicht so lange her, dass der mächtige Vogel durch Lebensraumveränderungen vom Aussterben bedroht war. Doch Naturschutzprogramme halfen ihm zurück auf die Beine und er erstarkte wieder. Auch das Wappentier hat sich nach einer Schwächeperiode in alter Kraft wieder zurückgemeldet. So kostete es ihn im November nur einen mächtigen Flügelschlag, um den komischen Vogel aus dem Weißen Haus zu vertreiben, der dort vier Jahre lang merkwürdiges Zeug twitterte. Die Demokratie hat in dieser Zeit ja reichlich Federn gelassen. Auch wenn der Noch-Bewohner nicht einsehen mag, dass er das beschmutzte Nest nun verlassen muss, steht doch zu hoffen, dass es dem neu einfliegenden Regierungschef gelingen wird, die tiefe Kluft in der amerikanischen Gesellschaft wieder zu kitten.

Wer hierzulande gerne einmal einen Weißkopfseeadler zu Gesicht bekommen möchte, hat schlechte Aussichten. In Europa ist er ja nicht anzutreffen, sein Lebensraum ist in Nordamerika. Nur im Wildfreigehege Hellenthal in der Eifel habe ich mal einen gesehen. Und dennoch begegnet uns sein Konterfei oft auf Hinweisschildern für Naturschutzgebiete. Wie ist das amerikanische Wappentier eigentlich dorthin gelangt? Die Antwort ist ebenso kurios, wie einfach: Als man das Schild vor Jahrzehnten entwarf, griff man ohne langes Nachdenken ins Archiv einer großen amerikanischen Naturschutzgesellschaft und nahm das Bild des Weißkopfseeadlers als Vorlage. Ja, und dann ging das Schild schwupps mit dem „falschen“ Adler in die Serienproduktion. Irren ist menschlich!

Was wiederum nicht heißen soll, dass man auf seinen Irrtümern bestehen sollte oder dass man Irrtümer verbreiten sollte. Womit wir wieder mitten in Trumpistan wären. A propos: Was man heute als Fake News bezeichnet, hieß früher mal „Zeitungsente“. Das dürfte wiederum eines der wenigen Tiere sein, dem Franziskus mit Vorbehalten begegnet wäre. Bleibt zu hoffen, dass der Weißkopfseeadler diesem Wesen das Leben künftig schwer machen wird!

Angela Selter

Foto: „Bald Eagle (Haliaeetus leucocephalus)“ by steveberardi is licensed under CC BY-NC-SA 2.0


Unter dem Titel neuen „Weitergezwitschert“ wollen wir im franziskanischen Sinne Mitgeschöpfe aus unserer Umwelt in den Blick nehmen und unsere Beobachtungen mit Randbemerkungen zum Weltgeschehen anreichern. Die Beiträge erscheinen auch regelmäßig im Monatsbrief.
Folgende Beiträge sind bereits in dieser Rubrik erschienen: