Der VogelFreitag

Weitergezwitschert …tierisch franziskanisch (9)

VogelFreitag bei Franziskus. Alle Vögel sind schon da, denn die Veranstaltung ist beliebt. Später sollte sie als „Vogelpredigt“ in die Geschichte eingehen, was die Sache nicht wirklich trifft, denn Franziskus predigte weniger und hörte viel mehr zu.

Als erstes erzählte der Falke, dass ihm eine Kündigung ins Haus geflattert sei. „Als Felsbrüter hatte ich jahrzehntelang eine Premiumwohnung an der Rahmedetalbrücke an der A45. Jetzt ist sie mir gekündigt worden – wegen Baufälligkeit! Erst wusste ich nicht wohin, aber nun ziehe ich in die Stadt. Dort gibt es viele leerstehende Kirchen, da suche ich mir eine neue Wohnung.

Einige Singvögel rollten mit den Augen. Sie waren etwas überheblich geworden, seit sie in Australien die Charts erstürmt hatten. Mit ihrer CD „Songs of Disappearance“ hatten sie sogar Michael Bublé und Justin Bieber überholt. Auf dem frisch veröffentlichten Album sind 53 Vogelarten zu hören, die vom Aussterben bedroht sind.

„Was für ein Abgesang. Warum bekommt man eigentlich erst dann Aufmerksamkeit, wenn man stirbt oder kurz vor dem Aussterben steht?“, fragte der schräge Vogel, der wie so oft auf die Stimmungsbremse trat. „Aus dem Abgesang noch schnell Geld schöpfen und das war’s dann?“

„Hey, ich kann etwas Positives berichten!“, zwitscherte der Wiedehopf dazwischen. Alle Augen wandten sich ihm erstaunt zu. Von dem Kleinen hatte man seit der Vogelhochzeit nur wenig gehört. Verlegen strich er sich über die Punk-Frisur. „Ich bin vom NABU zum Vogel des Jahres gewählt worden“.

„Glückwunsch, Upupa epops“, sagte der Kakadu, der eine Vorliebe für lustig klingende lateinische Namen hatte. Und dann taten die Vögel das, was sie am besten können: Sie sangen im Chor und Franziskus segnete die Schar.

Angela Selter

Beitragsfoto: „Hoopoe“ by AntoGros is marked with CC BY 2.0.


Unter dem Titel „Weitergezwitschert“ wollen wir im franziskanischen Sinne Mitgeschöpfe aus unserer Umwelt in den Blick nehmen und unsere Beobachtungen mit Randbemerkungen zum Weltgeschehen anreichern. Die Beiträge erscheinen auch regelmäßig im Monatsbrief.
Folgende Beiträge sind bereits in dieser Rubrik erschienen: