Das Murmeltier

Weitergezwitschert …tierisch franziskanisch (4)

Wie wir letzten Monat erfahren haben, kann man auf dem Monte Subasio durchaus schon mal einem Fuchs begegnen. Ob Franziskus, für den dieser Berg bei Assisi ein besonderer Rückzugsort war, dort oben wohl auch einmal ein Murmeltier angetroffen hat? Auszuschließen ist das nicht: Vielleicht haben die klimatischen Bedingungen dem Murmeltier dort damals noch einen geeigneten Lebensraum geboten.

Wenn Franziskus seinem Lobgesang noch eine Strophe zur Schwester Auferstehung hinzugefügt hätte, wer weiß – vielleicht hätte ihm das Murmeltier als Inspiration gedient. Schließlich versinkt es im Winter viele Monate in einem Schlaf, der so tief ist, dass er gar nicht so weit vom Tod entfernt zu sein scheint, bevor es dann im Frühjahr putzmunter seine Nase aus der Schlafhöhle steckt, durch Pfeifen mit seinen Schwestern und Brüdern Kontakt aufnimmt und sich den Sonnenseiten des Lebens zuwendet.

Wikipedia sagt: „Murmeltiere halten einen ausgedehnten Winterschlaf […]. Der Schlafkessel wird dafür mit weichem Gras ausgepolstert, in dem sich die Tiere zusammenrollen. Für diese lange Ruhezeit fressen sie sich während der wenigen Sommermonate große Fettreserven an. […] Während des Winterschlafs sinkt die Atmung auf etwa zwei Züge pro Minute und der Herzschlag von 200 auf 20 Schläge pro Minute. […] Das Erwachen wird über die Außentemperatur ausgelöst.“

Der letzte Satz ist bemerkenswert, sagt er doch so viel darüber aus, wie sich Tod in Leben wandeln kann – ganz im Sinne der österlichen Botschaft. Das Erwachen wird über die Außentemperatur ausgelöst. Wo sich Wärme entwickelt, erwacht das Leben – auch in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen. Wo unsere Herzen brennen, werden Tode überwunden. Wo das Eis hinwegschmilzt, gibt es eine Auferstehung zu einem neuen Leben.

Angela Selter

Foto: „Hoary Marmot“ by Stephen Downes is licensed under CC BY-NC 2.0


Unter dem Titel neuen „Weitergezwitschert“ wollen wir im franziskanischen Sinne Mitgeschöpfe aus unserer Umwelt in den Blick nehmen und unsere Beobachtungen mit Randbemerkungen zum Weltgeschehen anreichern. Die Beiträge erscheinen auch regelmäßig im Monatsbrief.
Folgende Beiträge sind bereits in dieser Rubrik erschienen: